4 neue Führungstrends im Jahr 2020

Führung im Jahr 2020

Ein neues Jahrzehnt hat begonnen, und das bedeutet, dass sich Ansätze und Perspektiven in den nächsten Jahren zwangsläufig ändern werden. Und das bezieht sich auch auf die Auseinandersetzung mit dem Thema Führung im Jahr 2020ff. Einige Fachkreise lassen sich durch ihre Begeisterung zur intellektuellen Auseinandersetzung mit neuen Führungs-Philosophien verblenden. So probieren einige Führungskräfte jedes Jahr neue trendige Bücher und Referenten aus und stürzen die Mitarbeiter ins Verwirrspiel, während diese sich gerade um die Einhaltung der bisher kommunizierten Best Practices bemühen.

Mit dem Eintritt der Generation-Z in die Arbeitswelt, sind die Tage der Überordnung von Theorie gegenüber der Praxis zu Ende. Während die Millennials erfahrungsorientiert und hoch motiviert waren, sind die Mitglieder von Gen-Z praxisorientiert und fokussiert. Sie erwarten häufige persönliche Gespräche mit ihren Managern, viel Flexibilität in Bezug auf Telearbeit und die Möglichkeit, die Welt durch ihren Job auch etwas zu verbessern. Wir haben gesehen, was mit den Millennials während des Absturzes der späten 2000er Jahre geschah. Gen-Zler wollen nicht nur dasselbe Schicksal vermeiden – sie wollen sicherstellen, dass andere nicht an ihrer Stelle leiden.

Sie sind jedoch nicht die einzigen, die einen Kurswechsel in der Führung fordern. Ein besserer Zugang zu Informationen bedeutet, dass Mitarbeiter aller Altersgruppen mehr Möglichkeiten haben, ihre Führungskräfte zu beurteilen. Manager haben inzwischen keine Ausreden mehr. Jeder, der im Jahr 2020 eine Führungsposition innehat, sollte wissen, was die Mitarbeiter erwarten und wie sie diese Erwartungen auf eine Weise erfüllen können, die sowohl den Mitarbeitern als auch den Unternehmen, in denen sie arbeiten, zugute kommt. Ob Sie ein Team von einem oder 100 Mitarbeitern leiten, nehmen Sie die neue Realität der Führung an, indem Sie diese Trends mit Ausdauer im Auge behalten:

Proaktive Belohnungen für die Übernahme vernünftiger Risiken

Viele Unternehmen behaupten, dass ihre Mitarbeiter auch Risiken eingehen sollen. In Wirklichkeit ermutigen die meisten Manager ihre Mitarbeiter weiterhin, auf Nummer sicher zu gehen. Führungskräfte, die unter ihrer Aufsicht zu viel Risiko zulassen, kommen in die Abschusslinie, während Führungskräfte, die zu wenig Risiko zulassen, in der Regel ihre Quartalszahlen treffen und sich mit weniger hitzigen Auseinandersetzungen auseinandersetzen müssen.

Die doppelzüngige Risikobereitschaft mag im letzten Jahrzehnt funktioniert haben. Führungskräfte können in den 2020er Jahren nicht ohne Innovationen auskommen, und junge Mitarbeiter werden es nicht tolerieren, wenn man sie zum Schweigen bringt. Zum Beispiel die gewerbliche Immobilienvermittlung Keyser mit 5000 Beschäftigten vermittelt ihren Mitarbeitern intelligente, risikofreudige Einstellungen, um eine Kultur zu schaffen, in der Misserfolge nicht die Tragweite haben, die sie in anderen Umgebungen haben. Heutige Führungskräfte sollten das Risiko belohnen, wenn die Teammitglieder intelligente Risiken eingehen, und nicht nachdem erst die Ergebnisse zeigen, ob das Experiment funktioniert hat oder nicht.

Respekt vor den Soft Skills

Fachbezogene Qualifikationen helfen den Kandidaten als Türöffner. Soft Skills entscheiden über den Erfolg im Job. Da die Schulungsoptionen intelligenter und die Qualifikationslücken leichter zu überwinden sind, müssen sich die Führungskräfte weniger auf das konzentrieren, was die Mitarbeiter und potenziellen Mitarbeiter bereits wissen, sondern mehr darauf, wieviel und welches Wachstumspotenzial sie mitbringen.

Das Unternehmen LinkedIn Learning benannte Kreativität seiner Mitarbeiter als wichtigste Soft Skills für 2020, was nicht überraschend ist. Die emotionale Intelligenz schaffte es erstmals auf Platz 5 der Liste. Die Definitionen von emotionaler Intelligenz sind unterschiedlich, aber Führungskräfte sollten verstehen, wie andere sie wahrnehmen und wie man sich in schwierigen Situationen zurechtfindet, ohne dass sich jemand angegriffen fühlt. Das Verständnis und die Priorisierung dieser Soft Skills wird für Führungskräfte der Schlüssel sein, um qualifizierte Talente einzustellen.

Priorisierung des Menschen in seiner Gesamtheit

Telearbeitsoptionen und flexible bezahlte Abwesenheitszeiten haben Arbeitsplätze geschaffen, an denen die Mitarbeiter nicht mehr so tun müssen, als ob sie den 9-to 5–Betrieb besonders gern haben. Führungskräfte der alten Schule können sich wohl noch über eine gewisse Rigidität freuen, jedoch erwarten die Mitarbeiter zunehmend einen Vertrauensvorschuss, mit dem sie entscheiden können, wie und wann sie arbeiten. Die Führungskräfte im Jahr 2020 müssen ihre asymmetrische Kommunikationsstrategie verfeinern, um mit den Teams Schritt halten zu können, die häufig volle Sitzungszimmer nicht mehr als notwendiges Übel betrachten.

Zusätzlich zu Telearbeit und flexiblen Zeitplänen haben die Mitarbeiter begonnen, eine bessere Work-Life-Balance zu entdecken. Der Trend zum unbegrenztem nur zeitweisem Aufenthalt im Unternehmen, der einst als Luxus galt, erfüllt erfahrene Mitarbeiter jedoch mit Misstrauen. Auch wenn die Mitarbeiter überall und jederzeit arbeiten können, wollen sie nicht rund um die Uhr in Bereitschaft sein. Die Führungskräfte sollten mit gutem Beispiel vorangehen, indem sie die Mitarbeiter in Ruhe lassen, wenn diese nicht im Dienst sind.

Beseitigung von unnötiger Hierarchie

Organigramme haben nicht mehr das gleiche Gewicht wie früher. Unternehmen können nicht behaupten, dass sie der Innovation Vorrang einräumen, und dann zulassen, dass Führungskräfte Mitarbeiter bestrafen, die ihre Ideen nicht durch die “Befehlskette” führen. Im Jahr 2020 bewegt sich das Leben zu schnell, um sich Gedanken darüber zu machen, wer alles was absegnen muss. Damit Führungskräfte intelligente Risiken fördern, müssen sie auch akzeptieren, dass die wertvollsten Risikoträger in starren hierarchischen Regeln nicht viel Sinn sehen.
Führungskräfte, die ihre Teams nicht inspirieren, verdienen ihren Titel nicht. Im Jahr 2020 wird das noch deutlicher werden. Echte Führungspersönlichkeiten verdienen Respekt, weil sie ihren Teammitgliedern zuhören, Anleitung geben und sich vehement dafür einsetzen, wenn der Moment zum Handeln einlädt. Zum Beispiel hat die Payment Processing Company Gusto die Job-Titel zugunsten einfacher Stufen abgeschafft, wobei die Nummern eins bis acht die Autorität bezeichnen. Gusto sagt, dass die Änderung dazu beigetragen hat, egoistische Streitigkeiten zu beseitigen und die Mitarbeiter in die Lage versetzt hat, sich auf die Aufgaben zu konzentrieren.

Die Führung im Jahr 2020 wird schlichter sein: kein Unsinn, weniger Zeremonien. Das Zeitalter der abgestandenen Führungsphilosophien ist vorbei. Das neue Zeitalter des Vertrauens, der Ehrlichkeit und der persönlichen Initiative hat endlich begonnen.

Adaptiv übersetzter Artikel von Rhett Power, der im Inc. This Morning Newsletter am 28.1.2020 unter https://www.inc.com/rhett-power/4-newtrends-in-leadership-to-watch-in-2020.html  veröffentlicht wurde.


Rhett Power

Rhett Power ist US-Business Coach des Jahres 2018 und CEO von Power Coaching and Consulting.  Rhett spricht mit den Vordenkern von heute, Bestsellerautoren und Führungskräften aus der Wirtschaft, die bereit sind ihre Erfolgsgeheimnisse zu teilen. Nähere Infos zu Rhett Power finden Sie unter https://rhettpower.com/