Ernstfall Betriebsrat? 5 Regeln zum produktiven Umgang

Betriebsrat

Vielen Geschäftsführern gilt der Betriebsrat als Zumutung, der mit schwerem arbeitsrechtlichen Geschütz zu begegnen ist. Dieser Blick ist kontraproduktiv. Besser als der ständige Gang zum Arbeitsgericht wirkt sich eine vertrauensvolle Zusammenarbeit aus. Dazu gibt es fünf Regeln.

Eine konstruktive Zusammenarbeit mit dem Betriebsrat (BR) sorgt für ein positives Arbeitsklima im Unternehmen. Denn der BR vertritt als Gremium die Gesamtbelegschaft. Die enge Zusammenarbeit mit ihm bietet Arbeitgebern die Möglichkeit, verlässliche und allgemein akzeptierte Regelungen fürMitarbeiter zu treffen, etwa was Fragen der betrieblichen Ordnung oder des Verhaltens der Mitarbeiter untereinander angeht. Für einen solchen produktiven Umgang mit dem BR gibt es Erfolgsregeln:

  1. Das Betriebsverfassungsgesetz kompetent handhaben.

    Die meisten Betriebsräte kennen sich auf ihrem Gebiet, dem Betriebsverfassungsgesetz, bestens aus und machen seit Jahren von ihrem Recht auf ständige Weiterbildung Gebrauch. Sie spüren deshalb schnell, ob ihr Gegenüber auf Arbeitgeberseite ein Profi ist. Fachkompetenz ist daher die Eintrittskarte für ein gutes Miteinander. Ist die im Betrieb nicht vorhanden, gilt es dieses Know-how auszubilden oder extern einzukaufen.Besonders in den Unternehmen, in denen erstmalig Betriebsräte gegründet werden. Hier ist es für einen deeskalierenden Umgang mit dem BR unumgänglich, schnell Fachkompetenz aufzubauen und das gesetzlich geforderten Konsensprinzip zu erlernen. Da in der Regel dieses Know-how nicht im Unternehmen vorhanden ist, empfiehlt es sich, einen kompetenten Human Resources Interim Manager für eine solche Aufgabe zu beauftragen.

  2. Den Betriebsrat professionell informieren

    Information ist eine wichtige vertrauensbildende Maßnahme Das Betriebsverfassungsgesetz verlangt an vielen Stellen, den BR rechtzeitig und umfassend zu informieren. Dazu ein Beispiel: Abmahnungen sind ohne Beteiligung des BRs möglich. Doch suchen die betroffenen Mitarbeiter in der Regel den BR auf und bitten ihn um Unterstützung. Da ist es einfacher, den BR gleich zu informieren und so Kooperationsbereitschaft zu signalisieren, zumal es sich gezeigt hat, dass er aufgrund seiner Erfahrung häufig zur Klärung des Sachverhalts beitragen kann. Auch ist es empfehlenswert, vor einer formalen Anhörung den BR informell anzusprechen; das bietet die Chance, frühzeitig seine Sichtweise zu erfahren und ihn einzubinden. Die anschließende formelle Information des BR lässt sich so einfacher gestalten. Weitere Nachfragen erübrigen sich und geplante Maßnahmen können ohne Verzögerung umgesetzt werden.

  3. Den Dialog mit dem Betriebsrat fördern

    Je besser der informelle Draht der Geschäftsführung zum BR, desto besser die Zusammenarbeit. Das Gesetz verlangt, dass sich Arbeitgeber und BR einmal im Monat zusammensetzen. Nach meiner Erfahrung ist der konzentrierte und kurze, wöchentliche Jour fixe aber meist effizienter als ein monatlicher mehrstündiger Betriebsratmarathon. Die Geschäftsführung arbeitet gemeinsam mit dem Gremium an kleineren Paketen, erfährt zeitnah, wo der Schuh drückt, und kann schneller deeskalieren. Ein solcher Dialog auf Augenhöhe führt zu einer Wertschätzung der Betriebsräte und damit zu einem unkomplizierten Miteinander.

  4. Geben und nehmen in der Betriebsratsarbeit

    Der Umgang mit dem BR beruht auf Leistung und Gegenleistung. Das ist nicht anders als in der „großen Politik“. Die Kunst besteht immer darin, für beide Seiten akzeptable Kompromisse zu finden. Betriebsräte fassen eine offene Kommunikation positiv auf, doch gehören auch „harte Gegenleistungen“ dazu. So hat ein Betrieb zum Beispiel im Rahmen einer Standortsicherung mit dem BR unter anderem die begrenzte Einführung von Kurzarbeit vereinbart. Dafür wurde dem BR die Übernahme der Auszubildenden zugesagt.

  5. Den Betriebsrat ins Boot holen

    Wer die Mitarbeiter in grundlegenden personalpolitischen Angelegenheiten mitnehmen möchte, sollte den BR frühzeitig integrieren. So ist zum Beispiel in IT-Unternehmen „Weiterbildung“ ein wichtiger Wettbewerbsfaktor. Das Gesetz sieht für betriebliche Bildungsmaßnahmen eine umfangreiche Beteiligung des BR vor. Statt sich jedoch in einer endlosen „Genehmigungsschleife“ zu verlieren, war es in einem IT-Unternehmen gelungen, einen aus der Fachabteilung, der Personalabteilung und dem BR bestehenden gemeinsamen Weiterbildungsausschuss zu installieren. Dieser erhielt sämtliche Informationen zum Thema, diskutierte gemeinsam über Grundlagen und fand Lösungen für strittige Einzel-Fragen.

Fazit Eine rechtzeitige und umfassende Kommunikation mit dem Betriebsrat auf Augenhöhe ist der Garant für eine konstruktive Zusammenarbeit.


Joachim Buechsenschuetz war viele Jahre Personalleiter in unterschiedlichen Branchen und verfügt über nahezu 30 Jahre Erfahrung in der nachhaltig deeskalierenden Zusammenarbeit mit Betriebsräten. Seit 2005 arbeitet er als selbstständiger HR Interim Manager, sowohl in internationalen Konzernen als auch im inhabergeführten Mittelstand. Als Rechtsanwalt (Schwerpunkt betriebliches Arbeitsrecht) und Betriebsratsexperte bleibt er pragmatisch mit Gespür für das Machbare in der unternehmerischen Praxis. Sie erreichen ihn unter j.buechsenschuetz@braintrust-group.de; Mobil +49 (0) 172 25 53 58 6