Mit Slow und Silly zum kreativen Durchbruch

by in "ImPuls des Tages", Personal Growth

Kreativität

„Kreativität ist der Spaß, den man als Arbeit verkaufen kann“ soll der Künstler Andy Warhol einmal gesagt haben. In kreativlosen Phasen, zum Beispiel im Home-Office, kann daraus ganz schnell ein freudloser Krampf entstehen. Wir stellen zwei Entkrampfungstechniken ganz abseits des üblichen Brainstormings und Spazierengehens vor: slow und silly.

Slow-Motion-Multitasking

Es mag alles andere als intuitiv klingen: Kreativität fördern durch das Arbeiten an verschiedenen Tätigkeiten zur selben Zeit. Oft werden wir damit automatisch im Job konfrontiert: Das Telefon klingelt, eine E-Mail fliegt ins Postfach – alles, während der Kollege schon zum Meeting drängelt. Hirnforschungen deuten darauf hin, dass sich Aufgaben stören, die gleichzeitig ähnliche Areale des Gehirns beanspruchen. Anders gesagt: Unsere Konzentration leidet, wenn sie geteilt wird.

Doch gerade hier setzt der britische Ökonom, Autor und Journalist Tim Harford mit „Slow-Motion-Multitasking“ ein. Harford argumentiert: Wenn wir bei einem Projekt den Fokus verlieren, nicht weiterkommen oder zweifeln, kann die Ablenkung durch ein zweites oder drittes Projekt hilfreich sein. Multitasking wird dabei ganz bewusst eingesetzt – und nicht, wie im Beispiel des Büroalltags, aufgezwungen. Es geht darum, den Kopf mit neuen Reizen zu stimulieren und so Kreativität und Problemlösungskapazitäten zu steigern. Ein Beispiel: Darwins Erkenntnisse zur „Entstehung der Arten“ formten sich, während er Lektüren zu Ökonomie, Philosophie und Theologie studierte. Nebenbei beschäftigte er sich über 40 Jahre mit Regenwürmern – ein Thema, das ihm als Kreativoase diente, wenn seine Inspiration einen Engpass erlitt.

Zugegeben: Es müssen keine Regenwürmer sein. Aber insbesondere bei langfristigen Projekten kann es hilfreich sein, sich zeitweise auf ein anderes Thema zu konzentrieren und den Kopf zu „refokussieren“. Vielleicht liegt der Schlüssel zur erfolgreichen nächsten Kampagne ja doch tief versteckt im Erdboden.

Silly Exercises

So nennt der „Creativity Consultant“ Dr. Roger Firestien Übungen, mit denen er die kreativen Muskeln lockert und so unmittelbar dazu beiträgt, dass Inspiration und Vorstellungsvermögen in Gang kommen. Eigentlich ist die Idee ganz simpel: So wie ein Sportler sich vor einem Wettkampf mit Übungen warm macht, so kann auch unsere Kreativität aufgewärmt werden.

Ein Beispiel: Denken Sie für einige Minuten darüber nach, wie man am besten ein Nilpferd aus einer Badewanne bekommt. Alleine mit den eigenen Händen? Unwahrscheinlich. Wie viele Menschen bräuchte man? Vielleicht 50? Oder 100? Könnte man es mit einem großen Kran probieren? Aber der passt wieder nicht ins Badezimmer, oder?

Sie merken: Manchmal reicht eine „silly exercise“, um auf andere (vielleicht auch alberne) Gedanken zu kommen und unsere Fantasie anzukurbeln. Diese Übungen eignen sich für den Schreibprozess, vor einem wichtigen Meeting oder einfach, um frischen Wind in die eigenen Gedanken zu bringen. Als kleiner Bonus noch einige Aufgaben:

Stellen Sie sich vor, Sie könnten in Ihren Computer reingehen.

  • Wo würden Sie als erstes hinlaufen?
  • Welchen Ort würden Sie meiden?
  • Sie wollen einen 5 cm hohen Turm mit 5-Cent-Münzen bauen. Wie viele 5-Cent-Stücke brauchen Sie?
  • Wenn Sie mit George Clooney und Penélope Cruz auf einem Ast säßen, der gleich abbricht, was würden Sie tun?

Autor: Martin Marsmann