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UNBOSS – lieber gestern als heute

unboss your company

Am 22. Juni 2019 las ich einen Artikel in der WELT, mit dem Titel „UNBOSS your company – Wie erschafft ein Weltkonzern eine Hochleistungskultur? Novartis-Chef Vas Narasimhan wagt das spannendste Experiment in der europäischen Firmenszene“[1] Der Verwaltungsratspräsident des Pharmariesen, Jörg Rheinhardt begründet die Revolution: „Bisher ist die Pharmaindustrie eine bequeme, konservative Branche, und auch bei uns war die starke patriarchalische Führung das Maß aller Dinge. Das reicht heute nicht mehr.“ Auch die Pharmaindustrie steht vor Geschäftsmodelländerungen durch die Digitale Transformation. „Personalisierte Medizin“ ist das Schlagwort.

Eine solche „Revolution“, wie sie bei Novartis unter Überschrift „Unboss, our story“ im Gange ist, fängt beim CEO, fängt an der Spitze an. Inspiriert wurde Narasimhan durch die Dänen Jacob Bøtter und Lars Kolind, die nach eigenen Angaben zusammen mit 100 Visionären aus aller Welt 2011 das Zukunftsmanifest „UNBOSS“ verfassten, das der indischstämmige Topmanager auf dem Schreibtisch eines Bekannten entdeckte und zu seinem Programm für die Veränderung bei Novartis machte. Ziel die „führende Pharmakultur der Welt“ werden. Vorbild: Microsoft. Unter Führung des indischstämmigen Nachfolgers von Steve Ballmer, Satya Nadella.

Das Programm beginnt mit dem „Warum“, mit dem Sinn, der vor Gewinn und Börsenwert steht. Gute Zahlen sind Ergebnis, nicht Ziel. Oder in den Worten Narasimhans „Über Gewinn oder Aktienkurse zu reden, bringt nichts. Gute Zahlen sind das Resultat unserer Kultur.“ Und es geht unkonventionell weiter mit dem „Wie“, der Organisation, dem Prozess: keine Berater, alles wird intern selber gestaltet. Und der Chef sitzt nicht im Chefbüro sondern mitten drin im „Open Space“, im Großraumbüro. Powerpointpräsentationen sind verboten und Fehler erlaubt, wenn sie erklärbar sind – der Kampf gegen die alte Angstkultur beginnt genau hier. Der Fokus ist ebenso klar: es geht darum eine Kultur zu schaffen, in der das Potenzial der über 100.000 Mitarbeiter besser genutzt und die notwendige Transformation des Geschäftsmodells möglich wird. Synergie und Innovation werden, davon ist der Novartis CEO überzeugt, das Ergebnis sein. Die ersten Ergebnisse geben ihm Recht: der Börsenwert von Novartis ist seit seinem Amtsantritt um 15 Prozent gestiegen.

Hat Novartis eine magnetische Unternehmenskultur? Antwort: sie haben sich sehr mutig auf den Weg gemacht. Narasimhans hat seine Story gefunden, mit der er die Mitarbeiter des Konzern mitnimmt. Bei ihm heißt das „UNBOSS“. Nachhaltig wird die Veränderung sein, wenn der Prozess evolutionär und offen über die nächsten Jahre fortgesetzt wird. Von COVID haben sie sich jedenfalls nicht aufhalten lassen – Chief HR Officer Steven Beart sagte in einem Interview mit dem HR Forschungsinstitut Gallup im Mai 2021, dass die Umstellung von Präsenz- auf Zoom-Veranstaltungen die Skalierung beschleunigt habe, ohne Qualitätsverluste.

Unboss ist ein revolutionäres Führungskonzept. Es ist auch eine Funktionsbezeichnung – für den „Un-Boss“. Und es ist ein Verb – „unbossen“. „Reinventing the Organization“, „Holacracy“, „Kollegiale Führung“ – alle schlagen in dieselbe Kerbe. Wo steht Ihr Unternehmen aktuell? Meinen Sie, dass „Unbossing“ Unternehmenskulturen attraktiver, magnetischer macht?

Ich freue mich über Ihr Feedback!

[1] DIE WELT, Samstag 22. Juni 2019, Seite 9, Dirk Schütz; zuerst erschienen unter dem Titel „Unboss your company: Die Novartis-Revolution“ in der Schweizer „Bilanz“, vom 29.05. 2019.


Christian Conrad ist Redner, Autor, Executive Coach und ein führender Experte für Unternehmenskultur im deutschsprachigen Raum. Er verbindet über 25 Jahre Praxiserfahrung als Führungskraft und Unternehmer mit innovativen Ideen zur Gestaltung von, wie er es nennt, „Magnetischer Unternehmenskultur“. Mit einer „Magnetischen Unternehmenskultur“ ziehen Unternehmen die passenden Mitarbeiter und perfekten Kunden so an, dass eine emotionale Verbundenheit entsteht und sie bleiben wollen. Seine Vision: Eine Million mehr lächelnde Menschen in Deutschland. Seine Leidenschaft: gemeinsam mit Unternehmern und Entscheidern und ihren Teams einen Beitrag dazu leisten, dass immer mehr Menschen in Organisationen arbeiten, in denen sie sich sicher fühlen, gerne zur Arbeit gehen und ihr Potenzial leben können. Er ist Autor des Praxisbuchs „Magnetische Unternehmenskultur“.