
Künstliche Intelligenz ist für viele in der Marketing- und Kommunikationswelt das Gebot der Stunde. Zahlreiche Marcom-Abteilungen verwenden bereits KI zur Analyse des Verbraucherverhaltens und versuchen, zukünftige Bedürfnisse vorherzusagen. Viele Marken verwenden Algorithmen, um personalisierten Content zu empfehlen, personalisierte Werbung zu zeigen und Kundendienst-Chatbots zu betreiben. Was aber, wenn KI Marken dabei helfen kann, die Brand Voice auf das nächste Level zu heben?
Marken geben in der Regel Tausende, wenn nicht sogar Millionen von Dollar aus, um ihre Brand Voice zu tunen. Nun entwickelt KI im digitalen Marketing ein ganz neues Erscheinungsbild – im wahrsten Sinne des Wortes, da digitale Avatare und synthetische Wesen in die digitale Marketingwelt eintreten. Im folgenden finden Sie drei Beispiele dafür, wie Marken künstliche Intelligenz auf interessante neue Art und Weise einsetzen, um Kampagnen über das bisher Übliche hinaus zu betreiben.
Cost Saving Power der KI
Vor KI mussten international aufgestellte Unternehmen denselben Werbespot für einzelne Länder mehrfach drehen, dann zum Teil mit einem anderen Markennamen oder Artikel. Aber jetzt ermöglicht KI den Marken, alle Märkte, in denen sie tätig sind, mit weniger Zeit und Geld zu erreichen. Synthesia, ein Unternehmen für künstliche Intelligenz und Videosynthese, hat gezeigt, wie so etwas zu erreichen ist.
In einem kürzlich auf der Synthesia-Website veröffentlichten Projekt hat man sich mit der globalen Marketing- und Werbeagentur Craftww zusammengesetzt, um ihrem Kunden JustEast viel Geld zu sparen. Die Agentur hatte mit JustEat an einer weithin erfolgreichen Snoop-Dogg-Werbung gearbeitet. Die australische Tochtergesellschaft von JustEat heißt MenuLog, und der Kunde wollte die erfolgreiche Kampagne in allen von ihm bedienten Märkten nutzen. Sie nahmen jedoch nur die ursprüngliche „JustEat“-Version der Werbung auf.
Mit Hilfe von Synthesia konnten sie die Werbekampagne transkribieren. Sie nahmen den Werbespot von Snoop Dogg für die Marke JustEat von Craftww und verwandelten ihn in einen Werbespot für die JustEat-Tochtergesellschaft MenuLog. Wie sie das gemacht haben, ist der interessante Teil dieser Geschichte.
Synthesia hat mehr als nur Logos ausgetauscht. Sie veränderten die Lippenbewegungen von Snoop Dogg in allen Aufnahmen des Werbespots. Das Ergebnis war eine beträchtliche Kostenersparnis für den Kunden, weil er den Spot nicht zweimal produzieren musste.
Synthesia ist davon überzeugt, dass synthetische Medien und Deep Learning eine neue Generation von Werkzeugen für die Erstellung von Inhalten schaffen werden, die „für jedermann geeignet, effektiv und ethisch einwandfrei sind“.
Aufbau des ‚Business to Robot to Consumer‘-Geschäftsmodells
Die vernetzte Welt der Technik in Verbindung mit künstlicher Intelligenz hat für Unternehmen eine neue Dimension geschaffen, die es zu explorieren gilt: Business to Robot to Consumer (B2R2C). Auch wenn die Etablierung des neuen Geschäftsmodell besonders anspruchsvoll ist, sind die Applikationen einfach. Die Vermarktung gegenüber Robotern wird vermehrt stattfinden, wenn mehr virtuelle Assistenten, digitale Avatare und sogar Roboter zu den Gatekeepern zwischen Marken und Verbrauchern werden. Zum Beispiel, wenn Ihr Sprachassistent weiß, was Sie für Ihre Vorratshaltung kaufen müssen, bevor Sie überhaupt wissen, dass Sie es brauchen.
Treten Sie der AI Foundation bei, einer Organisation, die bei diesem neuen Trend an vorderster Front steht. Sie hat sich mit Persönlichkeiten wie Deepak Chopra und Sir Richard Branson zusammengetan, um ihre Mission, die Welt verantwortungsvoll voranzubringen, indem sie jedem von uns eine eigene Künstliche Identität gibt, die unsere persönlichen Werte und Ziele teilt.
Aus Sicht der Foundation wird KI die Art und Weise revolutionieren, wie Menschen miteinander in Verbindung treten, kommunizieren, leben und arbeiten. Dies wiederum wird ein gewaltiges Potenzial für diejenigen schaffen, die KI beherrschen. Aber KI kann eine ernsthafte Bedrohung darstellen, wenn sie von einigen wenigen benutzt wird, um uns zu manipulieren. KI selbst kann aber auch dabei helfen, dies zu verhindern. Für die Foundation muss KI für alle da sein. Jeder von uns braucht seine eigene KI – um uns zu schützen, uns weiser und mächtiger zu machen und das volle Potenzial unserer Welt freizusetzen.
Die AI Foundation arbeitet an Use Cases, von denen Menschen im täglichen Leben von KI profitieren können – Kochen ist etwas, das in letzter Zeit immer wichtiger geworden ist, da wir mehr Zeit in unseren Küchen verbringen. Sie arbeiten an einem KI-Koch, „der mit dem vertraut ist, was in Ihrer Küche und Speisekammer vorhanden ist, und der sogar weiß, was Ihnen zum Abendessen besonders gefällt! Der KI-Koch hilft den Kunden dabei, ihr Lieblingsgericht zu perfektionieren oder neue Rezepte auf der Grundlage ihrer Lieblingszutaten zusammenzustellen.
„Mit unserer Technologie können Unternehmen und Marken durch interaktive und intelligente Auseinandersetzung eine intensivere Verbindung zu ihren Kunden/Fans aufbauen. Sie können durch 1:1-Gespräche genau erfahren, was die Benutzer wollen und was sie interessiert, und sie können einen besseren Gegenwert bei geringeren Störgeräusche liefern“, sagte Chris Acosta, VP of Product Innovation & Growth bei der AI Foundation.
In einem Video auf der Facebook-Seite der Stiftung spricht eine Frau mit ihrem KI-Koch. Sie unterhalten sich über die Zubereitung einer Mahlzeit oder über Vorbereitungen für das Abendessen. Die Frau sagt, dass sie gerne gefüllte Paprikaschoten zubereiten möchte. Und der KI-Koch antwortet darauf, dass „anspruchsvolle Mägen ähnliche Präferenzen haben“.
Digital People führen zu starken Markenerlebnissen
Synthesia und die AI Foundation sind nicht die einzigen Organisationen, die sich dafür einsetzen, Marken „digitale Persönlichkeiten“ zur Seite stellen, damit sie ansprechende und stringente Erfahrungen machen können. Soul Machines kündigte im Mai an, dass sie ihr Digitales DNA™ Studio (DDNA Studio) für Unternehmen zur Verfügung stellt, so dass „Marken mit den Digital People von Soul Machines mit jedem Kunden auf personalisierte Art und Weise in Verbindung treten können“.
Die Digitalen Menschen von Soul Machine sind „darauf ausgelegt, das personalisierte, emotional ansprechende Erlebnis zu liefern, nach dem sich Kunden mit Marken sehnen, und zwar zu Kosten, die eine Skalierung ermöglichen“. Um digitale Menschen zu schaffen, bedarf es nicht länger eines Teams von Entwicklern und CGI-Experten. Marken können jetzt das digitale DNA-Studio nutzen, um „Menschen“ zu entwickeln, die zur Kultur ihrer Marke und ihrer Kunden passen, um ein einnehmendes Erlebnis zu schaffen. Soul Machine nennt die künstliche Intelligenz, die ihre digitalen Menschen antreibt, das „Digital Brain“, das die autonome Animationsfunktionalität steuert.
Laut Soul Machine reichen die Anwendungsfälle für „digitale Menschen“ von Schulung, Unterhaltung und Finanzdienstleistungen bis zu jeder Art von sich wiederholenden Geschäftsfunktionen. Und digitale Menschen können sie auf eine Weise ausführen, die hilfreicher erscheint als ein automatisierter Chatbot.
Die digitalen Menschen von Soul Machine sind so konzipiert, dass sie sich im Laufe der Zeit auf der Grundlage von Benutzerinteraktionen weiterentwickeln. Soul Machine ist der Ansicht, dass es wichtig ist, „den Rauch und die Spiegel des Hightech-Marketings zu durchschauen. Erforderlich ist eine klare Definition und Taxonomie, um die neue Generation des digitalen Menschen zu verstehen, die uns bald umgeben wird“. Um diesen neuen „digitalen Menschen“ eine Persönlichkeit zu geben, die zu ihrer Marke passt, müssen die Unternehmen ihre Markenwerte und die Rolle, die sie mit dem digitalen Menschen ausfüllen müssen, definieren und dies auf eine Weise tun, die ihre Kunden-Zielgruppe anspricht.
Der Horizont jenseits digitaler Verfälschungen
Diese Beispiele zeigen, dass künstliche Intelligenz, wenn sie kreativ eingesetzt wird, mehr leisten kann als Routinearbeit. Sie ist eine Möglichkeit, Beziehungen zu Kunden auf persönlicher Ebene aufzubauen und gleichzeitig auf kosteneffiziente Weise zu skalieren. Es ist wichtig, KI nicht nur mit Chatbots gleichzusetzen, sondern Gespräche darüber zu führen, wie KI tatsächlich im Dienste von Marken funktionieren kann und wie sie wiederum zur Verbesserung des Kundenerlebnisses eingesetzt werden kann.
Wir sollten weiterhin sinnvolle Diskussionen über Deepfakes und die Einrichtung von Schutzvorkehrungen und Ethiken rund um synthetische Medien führen. Aber wir müssen das Gespräch auch über die bloße Konzentration auf dieses Element der synthetischen Medien hinausführen. Es ist auch an der Zeit, dass Marken und Unternehmen die breiteren Trends, die sich am Horizont abzeichnen, besser verstehen, damit sie auf die Zukunft des Marketings vorbereitet sind.
Adaptiv übersetzter Artikel von Cathy Hackl, der am 28.6.20 in Forbes erschienen ist. Den Originaltext in Englisch finden Sie unter https://www.forbes.com/sites/cathyhackl/2020/06/28/3-new-ways-artificial-intelligence-is-powering-the-future-of-marketing/#35c09151a96e