Anfassen erwünscht ! : Aus der Zukunft des Shoppings

by in "ImPuls des Tages"

b8ta

Produkte herzustellen ist heute leichter denn je, viele Unternehmer vertreiben sie deshalb (zunächst) direkt über ihren Webshop – aus Kostengründen und weil sie zu klein sind, um große Handelsketten zu beliefern. Der Onlinehandel weist jedoch einen großen Makel auf: Wenn das online bestellte Produkt den Erwartungen nicht entspricht, entstehen immer wieder hohe Retourenkosten. Viele Kunden würden bestimmte Produkte – wie z.B. Consumer Electronics – gern erst einmal ausprobieren, bevor sie den Artikel kaufen. Und das gilt besonders für  Neuheiten. Das kalifornische Start-up B8ta (ausgesprochen: Beta) bietet eine innovative Dienstleistung für Hersteller an, durch die Kauf-Interessenten zunächst erst einmal das Produkt und dessen Anwendung physisch ausprobieren sowie eine professionelle Beratung durch produktspezifisch geschulte Berater erhalten können.

Was ist anders beim B8ta-Konzept?

B8ta, ein kalifornisches Start-up-Unternehmen, betreibt in den USA derzeit 14 flagship-Standorte, 70 Shop-in-Shops (vor allem in Filialen der Baumarkt-Kette Lowe´s) und drei Popups. Die Stores sind dabei vor allem für die Präsentation und das ausgiebige physische Ausprobieren von B2C-Produkten aus dem Technik-Bereich konzipiert. Die Handelskette lädt die Kunden geradezu dazu ein, nur in die Läden zu kommen. Die Produktpräsentation der ausgepackt ausgestellten Produkte, die Schulung des Laden-Pesonals in allen produktbezogenen Fragen der Kauf-Interessenten sowie die professionelle Anwendungsberatung des Personals gehen nicht einher mit dem Zwang, etwas kaufen zu müssen.

Alle in den Stores generierten Käufe von Kunden werden entweder vor Ort über ein kleineres Kommissionslager im Laden unmittelbar bedient oder an den Lieferanten zur Direkt-Belieferung übermittelt.

Gleichzeitig werden die Produkte ebenfalls auf der Online-Webseite von B8ta präsentiert, sodass auch ein Kauf vor, nach oder ohne Besuch der Stores möglich ist. Die Abwicklung der Online-Bestellung  erfolgt dann durch B8ta, wobei 90 % der Wertschöpfung beim Lieferanten bleiben.

B8ta kombiniert geschickt die Vorzüge des stationären mit denen des Onlinehandels. Gemeinsam ist den Konzepten von B8ta, dass der Servicegedanke in erster Linie auf die Hersteller zielt, die dafür zahlen und von denen die Handelskette lebt. Die fixe monatliche Platzierungsgebühr ist abhängig z.B. von dem benötigten Platzbedarf, dem Standort, der örtlichen Ladenmiete sowie der Saison. Und indirekt profitieren auch die Kunden. Die Rolle des Ladens als Ort, an dem sie nicht unbedingt kaufen, aber alles ausgiebig ausprobieren können, bricht mit den bisherigen Gepflogenheiten des Einzelhandels.

Vorteile für die Hersteller durch B8ta

Alle Standorte sind mit (bis zu 24) hochauflösenden 3D-Kameras ausgestattet. Sie beobachten unentwegt, wie die Kunden mit den Produkten hantieren, was sie ausprobieren und wie lange sie sich damit beschäftigen. Neben jedem Produkt liegt zudem ein Tablet, über das sich die Kunden informieren können. Es ist sogar möglich, Preise zu vergleichen und Rezensionen zu lesen, ganz wie beim Onlineshopping.

Nach jedem Gespräch gibt das Laden-Personal auf dem Tablet ein, was der Kunde wissen wollte und welche Kommentare er geäußert hat – Informationen, die genauso wie die Bilder der Kameras gesammelt und ausgewertet werden. Die Hersteller haben Zugang zu allen Daten und können live verfolgen, wie viele Kunden in welchem Laden Interesse an ihrem Produkt zeigen und können in der Ableitung real-time auch lokale Marketing-Aktivitäten wie Promotions und Preise adjustieren.

Das Start-up kümmert sich um alles – von der Miete der Immobilie über das Ladendesign bis zum Personal. Hersteller können sich flexibel und auf Zeit einmieten. Da jeden Monat mehr als zehn neue Produkte ins Sortiment aufgenommen werden, langweilen sich auch Stammkunden nicht.

B8ta der nächsten Generation

Anfang Juni 2018 lancierte die Firma ein Konzept, das auch große, etablierte Markenhersteller ansprechen soll. Es heißt „Built by B8ta“ und wurde in einer Filiale in San José im Herzen des Silicon Valley erprobt. Der Router-Hersteller Netgear konnte sich dort für eine nicht näher bezifferte Monatsgebühr auf 250 Quadratmetern in Szene setzen.

Hersteller, die sich online etabliert haben und eine physische Präsenz wünschen, sollen sich zukünftig in einem eigenen Markenstore präsentieren können – ohne das Risiko, den Aufwand und die Millionen-Investitionen, die das normalerweise mit sich bringt. Ein 30-köpfiges Team in der Zentrale von B8ta pflegt dazu Kontakte zu Betreibern großer Einkaufszentren, um passende Standorte zu finden. Marken  könnten sich dann für mindestens ein Jahr dort einmieten.

B8ta plant Läden für 10 bis 15 Hersteller aus den Sparten Beauty, Bekleidung und Möbel einzurichten. Der Betrieb mehrerer solcher Geschäfte an einem Standort, etwa innerhalb einer Mall, soll zu Einsparungen beim Personal, bei der Einrichtung und beim Lager- und Versandwesen führen. Schaun mer mal, wie B8ta sich weiterentwickelt und wann erste Adaptionen den deutschen Markt erreichen.