Kompetenzerwartung: Wenn der Schein trügt

by in "ImPuls des Tages", Mitarbeiterführung

Kompetenz

Erwartungen an Führungskräfte erinnern manchmal an die Stellenbeschreibung eines Superhelden: Teamfähig, aber mit Charisma. Durchsetzungsstark, aber bitte mit Diplomatie. Souverän in Krisensituationen, aber fair zu den Mitarbeitern. Kundenorientiert, aber effizient. Innovativ, aber dennoch traditionsbewusst. Es entsteht zuweilen der Eindruck, dass heutzutage Führungs-Titane gefragt sind, die sämtliche Soft-skill-Superkräfte auf sich vereinen und darüber hinaus bereit sind, diese jederzeit selbstlos-aufopfernd in den Dienst der Unternehmensziele zu stellen. Eine solche Idealvorstellung hat aber mit der Alltagsrealität und den gelegentlichen menschlichen Unzulänglichkeiten kaum noch etwas zu tun. Es entsteht ein immer größer werdendes Spannungsfeld zwischen Ideal und Wirklichkeit, in dem sich immer mehr Führungskräfte befinden – und untergehen.

Der Erwartungsdruck steigt

Von hochdotierten Führungskräften wird erwartet, dass sie souverän handeln, auch unter hohem Druck die richtigen Entscheidungen treffen und Ihre Mitarbeiter jederzeit motivieren können. Was hier häufig übersehen wird: Auch Manager und Managerinnen stehen unerwarteten Problemen manchmal ratlos gegenüber. Sie haben keineswegs immer gleich die optimale Lösung parat. Vor allem dann nicht, wenn sie selbst Neuland betreten und die aktuellen Probleme vorher so noch nie aufgetretenen sind. Dann gibt es nämlich auch keine vergleichbaren Referenzsituationen und Lösungserfahrungen, auf die zurückgegriffen werden könnten.

Zwischen den (inneren) Fronten

Es spielt keine Rolle, ob der hohe Kompetenzanspruch von außen tatsächlich besteht oder von der Führungskraft selbst nur vermutet wird. Wenn die eigene Rat- bzw. Hilflosigkeit dann auch noch als eigene Inkompetenz und Führungsschwäche interpretiert wird, entsteht schnell eine innere Patt-Situation. Auf der einen Seite geht es darum, dem unangemessen überhöhten Idealbild und den daraus resultierenden überzogenen Erwartungen zu entsprechen. Auf der anderen Seite steht die erlebte Realität der eigenen, unerwünschten Schwächen und Unsicherheiten.

Klug dreinschauen und tapfer lächeln

Aus vielen meiner Coachings weiß ich, dass Manager diesem Problem mit einer Strategie begegnen, die alles nur noch schlimmer macht: Sie täuschen ihre Kompetenz einfach nur vor. Dabei geben sie sich nach außen souverän, wissend und unbeeindruckt.  So, als hätten sie alles im fest im Griff und mit jedem plötzlich auftauchenden Problem genau jetzt gerechnet – und haben dabei nicht die geringste Ahnung. Das funktioniert vielleicht sogar eine Zeit lang. Es muss allerdings viel Energie aufgebracht werden, um nach außen den Anschein einer souveränen Führungspersönlichkeit zu wahren, während innerlich immer die Angst besteht, dass die Fassade bröckeln und der Schwindel entdeckt werden könnte. Wer dauerhaft in einem solchen Ungleichgewicht lebt, hat gute Chancen auf einen handfesten Burnout zuzusteuern.

Wie Sie in stürmischer See den Kurs halten

Um in wirklich schwierigen Situationen die richtigen Entscheidung zu treffen, können Sie auch gern auf mein Video zum Ethik-Kompass für Manager zurückgreifen. Angesichts der Komplexität des aktuellen Businesslebens und des permanenten Wandels äußerer Einflussfaktoren sind anspruchsvolle Problemlösungen vielfach nur noch im engen Kontakt mit Mitarbeitern und Kollegen möglich. Als Führungspersönlichkeit brauchen Sie heute deshalb vor allem soziale Kompetenzen; und Sie sind gut beraten, auch schon in ruhigeren Zeiten für ein vertrauensvolles Verhältnis zu den Menschen in Ihrem Umfeld zu sorgen.


Dr. Frank Hagenow ist promovierter Psychologe, Business Coach, Keynote Speaker sowie Experte für Führung und Kommunikation. Er ist Autor des Buches „Führen ohne Psychotricks. Mit Ethik und Anstand Menschen gewinnen“ (GABAL Verlag, 2018).

Mit seinen Vorträgen, Coachings und Seminaren unterstützt er Unternehmern und Führungskräfte dabei, mehr Souveränität im Umgang mit Mitarbeitern und Kunden zu erreichen und in schwierigen Situationen die richtigen Entscheidungen zu treffen.

Weitere Informationen finden Sie auch unter  www.frank-hagenow.com. Kontakt können Sie am besten zu ihm aufnehmen unter Mail office@frank-hagenow.com; oder Telefon Tel.: +49 (0) 4105 77 09 23;

One response to “Kompetenzerwartung: Wenn der Schein trügt

  1. Einfach auf den Punkt gebracht.
    Führungskompetenz ist nicht immer angeboren. Führung wird von Entscheidern verlangt, obwohl die persönliche Kompetenz woanders liegt. Was in dem Buch von Dr. Frank Hagenow bewusst wird ist, dass Selbstbetrug einem am Ende zum Verhängnis wird.
    Doch oft fehlt der Dialog mit anderen Entscheidern, auf Augenhöhe.
    Einfach mal eine andere Sichtweise kennen lernen und andere Möglichkeiten durchspielen. Aus den Erfahrungen der anderen lernen.

    Gruß G. Ludwig
    http://www.entscheiderwerk.de

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