Retail Media wird häufig als datengetriebenes Ökosystem beschrieben – aber seine Wirkung entfaltet es ganz konkret im Markt. Digitale Screens, QR-Codes, Apps und vernetzte Systeme machen aus der klassischen Ladenfläche einen leistungsstarken Media-Kanal, der Markenkommunikation, Shopper Experience und Abverkauf verbindet.
Digitale Begrüßung im Eingangsbereich
Schon beim Betreten des Marktes beginnt die Customer Journey. Große digitale Screens im Eingangsbereich präsentieren Aktionswochen, Markenkooperationen oder saisonale Themen. Sie schaffen Aufmerksamkeit in einem Moment, in dem Shopper noch offen und nicht überladen sind.
So lassen sich:
- Schwerpunktthemen der Woche platzieren
- bestimmte Kategorien in den Fokus rücken
- Marken als „Hero Brand“ inszenieren
Der Einstieg in den Markt wird damit zur ersten relevanten Kontaktfläche im Retail-Media-Funnel.
Kategorie-Hotspots: Screens mitten im Regal
In frequenzstarken Kategorien wie Getränke, Baby, Kosmetik oder Snacks kommen In-Store-Screens direkt am Regal zum Einsatz. Sie verstärken Markenbotschaften genau dort, wo die Entscheidung fällt – am Point of Decision.
Typische Einsatzzwecke:
- Einführung neuer Produkte
- Push von Zweit- oder Aktionsplatzierungen
- Cross-Selling-Ideen („Passt perfekt zu …“)
Händler und Marken gewinnen so nicht nur Sichtbarkeit, sondern auch Steuerungswirkung innerhalb der Kategorie.
Digitale Regalleisten & ESL: Dynamik statt Papierschild
Elektronische Regaletiketten (ESL) und digitale Shelf-Edge-Displays ersetzen statische Preisschilder und Papp-Wobbler. Preise, Promotions und Markensignale lassen sich zentral steuern und in Echtzeit anpassen.
Mehrwert für Handel und Industrie:
- Flexible Promotionsteuerung (z. B. Tageszeiten, Wochentage, Restanten)
- Kombination von Preisbotschaft und Markenauftritt
- Schnelle Anpassung an Markt- oder Wettbewerbsveränderungen
Das Regal wird so vom „stillen“ Ort der Preisinfo zum aktiven Kommunikationskanal.
Der „digitale Gang“: Das Regal als Medienfläche
Betrachtet man einen komplett digitalisierten Gang, wird der Wandel besonders sichtbar: Screens, ESL und digitale Leisten schaffen ein dynamisches Bild, das Orientierung, Information und Inspiration kombiniert.
Für Shopper bedeutet das:
- Mehr Klarheit, welche Produkte gerade relevant sind
- Bessere Auffindbarkeit von Aktionen und Neuheiten
- Ein moderneres, wertigeres Einkaufserlebnis
Für Marken entsteht eine zusätzliche Bühne im direkten Kontext zur Kategorie-Logik des Händlers.
2D- und QR-Codes: Brücke zwischen Regal und Smartphone
2D- und QR-Codes verbinden die physische Fläche mit digitalen Inhalten. Sie finden sich an Regalen, auf Displays oder direkt auf der Verpackung und können u. a. verlinken auf:
- Rezepte und Verwendungsanlässe
- Nachhaltigkeits- und Herkunftsinformationen
- Produktdetails, die nicht auf die Packung passen
- Sofort-Coupons oder Loyalty-Mechaniken
Damit erweitern Marken ihre Kommunikation über den begrenzten Raum am Regal hinaus – und machen Interaktionen messbar.
Interaktion am POS: Scannen statt nur schauen
Entscheidend ist nicht nur, dass Codes vorhanden sind, sondern dass sie genutzt werden. Wenn Shopper mit dem Smartphone scannen, entsteht ein echter Dialogmoment: Aus Sicht wird Interaktion, aus einem anonymen Regalbesuch wird ein messbarer Kontaktpunkt.
Dieser Moment ist besonders wertvoll, weil:
- er eine hohe Involvement-Situation abbildet
- direkt Mehrwert (Coupon, Info, Inspiration) liefert
- Daten für spätere Kampagnen generiert werden können
So wächst der POS in das digitale Ökosystem hinein – mit klaren Performance-Potenzialen.
App-Couponing und Personalisierung im Markt
Die Händler-App wird zum Dreh- und Angelpunkt für personalisierte Aktivierung im Store. Über Geofencing, Beacons oder einfache App-Logiken können Shopper im Markt gezielt angesprochen werden:
- individuelle Angebote auf Basis früherer Käufe
- Bundles und Empfehlungen passend zum Warenkorb
- exklusive Instore-Deals für App-Nutzer:innen
Im Idealfall wird diese mobile Kommunikation mit den sichtbaren Instore-Touchpoints (Screens, QR-Codes, Regalleisten) orchestriert – so entsteht ein konsistentes und messbares Retail-Media-Erlebnis.
Self-Checkout & Kassenzone: Last-Second-Media
Auch der Checkout-Bereich entwickelt sich zur relevanten Media-Zone. Screens an Self-Checkout-Terminals oder in der Kassenzone bieten zusätzliche Kontaktpunkte, um:
- Cross-Selling zu fördern („Passt noch dazu …“)
- Loyalty-Programme zu aktivieren
- Gewinnspiele oder digitale Aktionen an den Einkauf zu knüpfen
Gerade weil hier die Aufmerksamkeit hoch ist, handelt es sich um starke Momente für zielgerichtete Botschaften.
Interaktive Kioske & Terminals
Digitale Kioske im Markt verbinden Beratung, Inspiration und Aktivierung. Sie bieten Funktionen wie:
- Rezeptideen nach Warengruppen
- Produktfilter (z. B. vegan, laktosefrei)
- Angebotsübersichten oder Bundle-Empfehlungen
Marken können in diese Journeys eingebunden werden und profitieren von höherer Relevanz in einem beratungsnahen Kontext.
Der Markt als vernetztes Retail-Media-Ökosystem
Setzt man all diese Elemente zusammen, entsteht ein klares Bild: Der stationäre Markt ist nicht mehr nur eine Fläche für Platzierung und Preis – er ist ein vernetztes Media-Ökosystem. Digitale Touchpoints, Daten und Technologie greifen ineinander und machen den POS zu einem Full-Funnel-Bestandteil des Retail-Media-Systems.
Für Händler bedeutet das zusätzliche Erlöse und Differenzierung, für Marken neue Wachstumshebel – und für Shopper ein relevanteres, moderneres Einkaufserlebnis.