Zoom-Burnout: Produktiver durch weniger Video-Calls

by in "ImPuls des Tages", Personal Growth

Zoom Fatigue

So wie andere Markennamen ihren Weg in unseren Sprachgebrauch gefunden haben, ist auch Zoom mittlerweile ein tägliches Verb und ein Substantiv geworden. Wir zoomen uns gegenseitig, wir sagen „Lass uns mal zoomen“, und wir bekommen Zoom-Fatigue. Jetzt gibt es auch „Zoom-Burnout“ – ein Begriff, der viel mehr umfasst als die Belastung der Augen durch zu viel Bildschirmzeit.

Neue Forschungsergebnisse zeigen, dass wir bei Zoom-Fatigue weniger erledigen. Und eine andere Studie beleuchtet die Ursachen für diese Ermüdung und wie man damit umgehen kann.

Zu viel Zooming kann geistig anstrengend werden.

Es gibt viele Hinweise darauf, dass Menschen, wenn sie geistig müde sind, dazu neigen, weniger effizient zu handeln. Die anhaltende Leistung bei einer geistig anspruchsvollen Aufgabe nimmt mit der Zeit ab.

Wenn wir ermüdet sind, arbeitet auch unser Arbeitsgedächtnis weniger gut. Wir werden vergesslich, unsere Hörqualität verschlechtert sich und die Aufzeichnung von Zoom-Meetings für die spätere Betrachtung führt einfach zu mehr kräftezehrender Bildschirmzeit.

Die Online-Meetings, die dazu gedacht sind, Dinge zu erledigen, könnten genau die Dinge sein, die unserer Produktivität schaden, gerade zu einer Zeit, in der die Gewinnspannen besonders knapp sind und Unternehmen finanziell am Abgrund stehen. Und es gibt Hinweise darauf, dass die ausschließliche Verwendung von Audio produktiver sein könnte als ein Übermaß an Bildschirm-Meetings.

Zoom Burnout

Eine neue Studie hebt die psychologischen Auswirkungen hervor, die sich ergeben, wenn man täglich mehrere Stunden auf verschiedenen Plattformen für Videogespräche verbringt. Die Studie fand heraus, dass Menschen oft eine „nonverbale Überlastung“ mit zu viel Augenkontakt erreichen. Das bedeutet, dass wir uns mehr anstrengen müssen, um all diese nonverbalen Signale zu senden und zu empfangen, die verloren gehen, wenn viele von uns nur auf einen Kopf reduziert sind, der den Bildschirm füllt.

In Meetings von Angesicht zu Angesicht, so eine andere Studie, fließt die nonverbale Kommunikation ganz natürlich und „wir achten selten bewusst auf unsere eigenen Gesten und andere nonverbale Hinweise“. Dies ist einer der Gründe, warum viele Menschen es nicht erwarten können, wieder von Angesicht zu Angesicht zu sprechen. Für andere ist das Zoomen in Ordnung, bis die Müdigkeit einsetzt, dann entsteht ein Unbehagen.

Hier könnte das gute alte Telefon-Meeting ins Spiel kommen. Die gleiche Studie beschreibt „eine wunderbare Illusion, die bei Telefonaten auftritt„. Wir sind nicht mehr mit nonverbaler Überlastung oder Augenkontaktschmelze belastet. Wir strecken uns vielleicht sogar mal aus, stehen auf und machen uns sogar eine Tasse Tee, während wir sprechen.

Wir neigen dazu, uns einzubilden, dass wir bei einem Telefonat 100 % der Aufmerksamkeit des anderen bekommen. Die Forscher kommen zu dem Schluss, dass „nur eine Minderheit der Anrufe das Anstarren des Gesichts der anderen Person erfordert, um erfolgreich zu kommunizieren„.

Zoom aufgeben?

Viele Experten rufen nun dazu auf, weniger Zoom-Meetings abzuhalten. Doch die Beweise dafür, dass man ernsthaft über Meetings per Telefon nachdenken sollte, stammen aus anderen wissenschaftlichen Arbeiten, die viel weiter zurückreichen. Frühe Studien, die TV-Radio, Zeitungen und Computerbildschirme verglichen, ergaben, dass Zeitungen das signifikant höchste Erinnerungsvermögen an Fakten ermöglichen. Computerbildschirme schnitten überraschenderweise näher an Zeitungen und besser als Fernsehen und Radio ab. Also, ein Hoch auf die Bildschirme? Das Problem ist, dass wir dazu neigen, uns weniger zu erinnern, wenn wir von Bildschirmen ermüdet sind.

Im Gegensatz dazu bestätigen zahlreiche Forschungsergebnisse, dass Radio die Vorstellungskraft anregt. „Ich ziehe das Radio dem Fernsehen vor, weil die Bilder klarer sind„, heißt es in einem alten Sprichwort. Ob mit dem Telefon, dem Radio oder Podcasts, unsere aktive Vorstellungskraft ist beim aktiven Hören mehr beschäftigt als beim passiven Sehen. Und wir können sehr passiv werden, wenn wir vom Bildschirm ausgelaugt sind.

Einige neurowissenschaftliche Untersuchungen haben bestätigt, dass unsere Vorstellungskraft, wenn sie aktiv ist, stärker emotional angeregt wird. Wissenschaftler haben dies als Indikator dafür gedeutet, dass der Audioinhalt eine aktive Vorstellungskraft des Zuhörers erfordert.

Hier kommt eine weitere Forschungsarbeit zum Tragen, die nahelegt, dass die Vorstellungskraft mit der Motivation Hand in Hand geht. Nach dieser Ansicht kann die Vorstellungskraft uns zielgerichteter machen, so dass wir eher bereit sind, Dinge zu erledigen. Zoom-Müdigkeit kann den gegenteiligen Effekt haben. Der imaginative Prozess, der dem Audioanruf innewohnt, erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass wir unsere Absichten in die Tat umsetzen.

Wenn das stimmt – und das muss noch weiter erforscht werden – ist es sicherlich an der Zeit, sich bewusster zu machen, wann und wie oft wir uns über Zoom treffen, wie lange und zu welchem Zweck.

Versuchen Sie, einige Ihrer Arbeitsbesprechungen per Telefon abzuhalten. Es mag anfangs seltsam erscheinen und etwas gewöhnungsbedürftig sein, aber Sie werden wahrscheinlich feststellen, dass Ihre Meetings produktiver und zufriedenstellender sind. Ihre Phantasie könnte in Gang kommen und Ihre Motivation neu befeuern.

Adaptiv übersetzter Artikel von Paul Levy, Senior Researcher in Innovation Management, University of Brighton, der am 17.3.21 in „The Conversation“ erschienen ist. Den Original-Text finden Sie unter https://theconversation.com/zoom-burnout-be-more-productive-ditch-those-video-calls-expert-156772