Wenn der Bauch die Führung übernimmt.

by in "ImPuls des Tages", Personal Growth

Intuition

Wenn man erfolgreiche Führungskräfte fragt, woran sie ihren Erfolg festmachen, hört man oft Argumente wie „den richtigen Riecher“, eine treffsichere Intuition oder das passende Bauchgefühl gehabt zu haben. Manche nennen es Erfahrung, Fingerspitzengefühl, Gespür oder Vision. Oftmals sind gerade dies die Eigenschaften, die den charismatischen Unternehmenslenker erfolgreich und in einem verklärten Licht erscheinen lassen. Bei manchen Führungspersönlichkeiten kann sogar eine spirituelle oder göttliche Eingebung mit ins Spiel kommen. Bei solchen „Führern“ ist dann allerdings Vorsicht geboten: Denn sonst kommt irgendwann wieder ein ehemals mittel- und obdachloser Gefreiter mit Migrationshintergrund daher und versucht, seinen kruden Wahnwitz mit der göttlichen Vorsehung zu rechtfertigen.

Intuition allein ist nicht alles

Wenn Sie schon über eine gewisse Erfahrung im Business und im Leben verfügen, haben Sie sicherlich auch schon bei verschiedenen Entscheidungen dem eigenen Bauchgefühl vertraut  – und damit vielleicht sogar gute Erfahrungen gemacht. Schwierig wird es nur immer dann, wenn die Sachargumente hinter dem Gefühl zurückstehen müssen oder sogar völlig verdrängt werden. Dann wird eine Entscheidung, obwohl vieles dagegenspricht, dennoch umgesetzt, weil man es gerade mal so im Gefühl hatte. Ich selbst kann mich gut erinnern, dass ich mich in meiner Zeit als Führungskraft mitunter auch dabei ertappt habe, meine eigene Intuition als Leuchtfeuer für Entscheidungen herangezogen zu haben. Ich muss zugeben, dass ich mich selbst, gerade in Personalentscheidungen, nicht immer von meinen persönlichen Empfindungen freimachen konnte und vielleicht auch gelegentlich ungerechte oder suboptimale Entscheidungen getroffen habe. Vielleicht ist Ihnen das ja auch aus Ihrer eigenen Berufspraxis bekannt.

Der Fallstrick des Erfolgs

Führungskräfte stolpern über positive Ergebnisse recht häufig, weil sie sie als Folge ihrer eigenen, offenbar richtigen Entscheidungen interpretieren. Wenn Ihnen der Erfolg recht gibt, können Sie daraus auch ganz schnell und problemlos die Berechtigung für ihr eigenes, intuitives Handeln ableiten. Was dabei mitunter übersehen wird: Das Eine hatte aber mit dem Anderen vielleicht gar nichts zu tun und die tatsächlichen Erfolgsfaktoren lagen gar nicht in der Entscheidung der Führungskraft begründet. Aus meinen Coachings mit Top Managern weiß ich, dass auch offensichtliche Fehlentscheidungen nicht zwangsläufig in die finanzielle Katastrophe führen – zumindest nicht sofort. Vielfach fehlt ja auch der Vergleich, wie sich die Dinge bei einer anderen Entscheidung entwickelt hätten. Und wer kann schon sagen, ob der Gewinn bei einer anderen Entscheidung nicht noch viel größer oder der Verlust viel geringer gewesen wäre.

Für Menschen in Führungspositionen ist gegen eine inspirierende Intuition grundsätzlich zunächst nichts einzuwenden, solange dieses Gefühl lediglich den ersten Anstoß für weitere, sachlich fundierte Entscheidungen liefert – und nicht allein der Bauch die Führung übernimmt.


Dr. Frank Hagenow ist promovierter Psychologe, Business Coach, Keynote Speaker sowie Experte für Führung und Kommunikation. Er ist Autor des Buches „Führen ohne Psychotricks. Mit Ethik und Anstand Menschen gewinnen“ (GABAL Verlag, 2018).

Mit seinen Vorträgen, Coachings und Seminaren unterstützt er Unternehmern und Führungskräfte dabei, mehr Souveränität im Umgang mit Mitarbeitern und Kunden zu erreichen und in schwierigen Situationen die richtigen Entscheidungen zu treffen.

Weitere Informationen finden Sie auch unter  www.frank-hagenow.com. Kontakt können Sie am besten zu ihm aufnehmen unter Mail office@frank-hagenow.com; oder Telefon Tel.: +49 (0) 4105 77 09 23;

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