Positive Personalentwicklung mit Job Crafting – Stärkenorientierung wirkt !

Job CraftingAus Schwäche entsteht keine Leistung, schon gar nicht Höchstleistung. Wir erreichen Leichtigkeit, Zufriedenheit und Erfolg, wenn die Arbeitsanforderungen mit den persönlichen Stärken übereinstimmen. Unternehmen, welche langfristig erfolgreich sein wollen, brauchen Stärkenorientierung — vor allem in der Personalentwicklung.

Glückliche Menschen sind produktiver. Wer sich zufrieden und selbstwirksam fühlt, ist von innen heraus motiviert und zu persönlichen Höchstleistungen fähig. Dies ist intuitiv nachvollziehbar und wurde mit der «happy-productive-worker»- Hypothese bereits in den 1930er-Jahren von Rexford B. Hersey wissenschaftlich belegt. Was jahrzehntelang keine Anwendung in der Wirtschaft gefunden hat, stösst heute auf grosses Interesse. Denn Unternehmen haben erkannt, dass sie intrinsisch motivierte Mitarbeitende brauchen, um langfristig und nachhaltig erfolgreich zu sein. Die brennende Frage ist somit: Was können Unternehmen tun, um die intrinsische Motivation zu fördern?

Stärken stärken


Die persönlichen Stärken einzusetzen und auszubauen, ist um so vieles sinnvoller, als die eigenen Schwächen reparieren zu wollen. Denn wir erleben die höchste Form intrinsischer Motivation, wenn wir im «Flow» sind und die Arbeitsanforderungen mit unseren Stärken Flowübereinstimmen (Csikszentmihalyi, 2014). In diesem schmalen Flow-Korridor zwischen Stress und Langeweile erleben wir Sinn und wahre Freude in unserem Tun. Harzer und Ruch (2012) konnten nachweisen, dass die Arbeitszufriedenheit, das Engagement und die Freude am Arbeitsplatz durch den Einsatz der persönlichen Signaturstärken gesteigert werden können. Signaturstärken sind individuell besonders
bedeutsame Stärken. Sie lösen das Gefühl aus, sich selbst zu sein im Sinne von «Das bin ich wirklich!» (Ruch & Proyer, 2011). Damit ist die optimale Voraussetzung für die persönliche Weiterentwicklung gegeben.

Job Crafting – ein Ansatz für die Praxis

Eine Möglichkeit, diese wissenschaftlichen Erkenntnisse in die Unternehmenspraxis umzusetzen, ist das Job Crafting. In diesem Ansatz gestalten Mitarbeitende ihre Arbeit kontinuierlich selbst, um die eigenen Stärken miteinzubeziehen und sich neue Herausforderungen zu suchen. Job Crafter «schnitzen» sich ihren Job so zurecht, dass er besser zu den eigenen Bedürfnissen passt (Wrzesniewski & Dutton, 2001). Damit fördern sie die persönliche Entwicklung im Unternehmen und gestalten die eigene Karrierelaufbahn proaktiv weiter. Dies wirkt sich nicht nur positiv auf das Wohlbefinden und die Leistung von Mitarbeitenden aus, sondern auch auf das Arbeitsklima und die Unternehmensleistung (z.B. hohe Effizienz und Produktivität) sowie deren Kunden (Taris & Schreurs, 2009).

Job Crafting kann nicht erzwungen werden. Es handelt sich um einen «bottom-up»-Ansatz, der durch die Mitarbeitenden initiiert wird. Doch ob Mitarbeitende ihre Arbeit umgestalten werden, hängt unter anderem davon ab, wie hoch die Möglichkeit wahrgenommen wird, den eigenen Job verändern zu können. Deshalb ist es wichtig, dass Unternehmen ein Umfeld schaffen, in dem die Mitarbeitenden ihrer Leidenschaft nachgehen können und aus eigenem Antrieb daran arbeiten, immer besser zu werden.

Zu den wichtigsten Bedingungen für Job Crafting gehören:


• Kommunizieren, dass Job Crafting gewünscht ist.
• Einen ausreichend hohen Handlungsspielraum in Bezug auf die Arbeitsgestaltung und Zeiteinteilung schaffen.
• Klare Rollen und Verantwortlichkeiten für Aufgaben definieren, um Rollenkonflikten und der Vernachlässigung
von Zielen vorzubeugen.
• Ein offenes Kommunikationsklima fördern und eine Feedbackkultur schaffen, die den Austausch und die Reflexion über positive Job Crafting Beispiele im Unternehmen fördert.
• Ein Job Crafting Training mit den Mitarbeitenden durchführen, um das Prinzip kennenzulernen und Vorgehensweisen einzuüben

Praxistipp: Ein Job Crafting Training durchführen

Job Crafting-Training

Wenn man Menschen stärkenorientiert weiterentwickeln will, um sie zu Höchstleistung zu befähigen, müssen die Stärken von Menschen mit ihren Aufgaben in Einklang gebracht werden. Dabei ist es wichtig, nicht den Menschen zu verändern, sondern die Aufgaben. Damit wecken wir das Einzigartige im Menschen und erreichen aussergewöhnliche Erfolge. Dieses Training unterstützt diese Ziele (siehe Abbildung 2)

1. Stärkenanalyse

Decken Sie in einem ersten Schritt Ihre persönlichen Signaturstärken auf. Dies kann mit dem Fragebogen VIA-IS gemacht werden: https://www.charakterstaerken.org/

2. Aufgabenanalyse

Schreiben Sie Ihre maximal 10 wichtigsten Aufgabenbereiche auf, wobei Sie ähnliche Tätigkeiten zu einem Aufgabenbereich zusammenfassen. Bspw. Mitarbeitergespräche vorbereiten und durchführen, Finanzzahlen aufbereiten und rapportieren, Kundengespräche führen und nachbearbeiten. Sortieren Sie Ihre Aufgabenbereiche nach der Wichtigkeit und dem aktuellen Zeitaufwand.

3. Aufgaben-Stärken-Analyse

Vergleichen Sie die Aufgabenbereiche mit Ihren Signaturstärken. In welchen Aufgaben setzen Sie Ihre persönlichen Signaturstärken ein – wo ist dies häufig und wo ist dies selten der Fall?

4. Konkrete Massnahmen formulieren

Basierend auf der vorangegangenen Analyse, formulieren Sie für jeden Aufgabenbereich konkrete Möglichkeiten, wie Sie diesen optimieren können, um Ihre persönlichen Signaturstärken häufiger zu nutzen. Beginnen Sie mit jenen Aufgabenbereichen, in welchen Sie Ihre persönlichen Signaturstärken aktuell selten einsetzen.

5. Neue Aufgabenbereiche hinzufügen

Ergänzen Sie neue herausfordernde Aufgabenbereiche, welche mit Ihren persönlichen Signaturstärken übereinstimmen. Fügen Sie diesen neuen Aufgaben den geschätzten Zeitaufwand hinzu.

6. Handlungsziele festlegen

Erstellen Sie Ihren persönlichen Handlungsplan mit konkreten Zielen und Terminen. Was werden Sie bis wann umsetzen? Wen oder was benötigen Sie dazu? Woran erkennen Sie, dass Sie die jeweiligen Ziele erreicht haben?

7. Im Team abstimmen

Besprechen Sie die neuen und angepassten Aufgaben im Team, um sie zu koordinieren. Können Aufgaben von anderen Teammitgliedern übernommen werden?

8. Umsetzung und fortlaufende Reflexion

Überprüfen Sie die Umsetzung Ihres persönlichen Handlungsplans regelmässig. Was ist mir gelungen? Wie habe ich das geschafft? Was ist noch nicht so gut gelungen? Was werde ich diesbezüglich Schritt für Schritt tun? Teilen Sie Ihre Erfolge und Herausforderungen im Team.

Job Crafting ist ein kontinuierlicher Veränderungsprozess und keine einmalige Aufgabe. Ziel ist es, dass mit Job Crafting eine Unternehmenskultur geschaffen wird, in welcher Mitarbeitende aktiv eingebunden werden. Deshalb starten Sie den Prozess in kleinen Schritten, z.B., indem Sie 10% der Aufgaben umgestalten. Machen Sie auf die Veränderungen aufmerksam, indem Sie Ihre Erfolgsgeschichten teilen. Damit handeln Sie als Vorbild und motivieren andere Teammitglieder und Mitarbeitende.


Kathatina Chicherio

 

Katharina Chicherio ist Geschäftsführerin der Celo Institut GmbH.

Mit Leidenschaft für Menschen und Expertise in Betriebswirt-
schaft (MSc), Coaching (Dipl.) und Psychologie (BSc) coacht sie Unterneh-
mer und Führungskräfte, leitet Workshops und gibt Impulsreferate.

Sie erreichen Katharina Chicherio unter Mail info@celo-coaching.ch;
oder Tel.: +41 (0) 79 39 58 38 4;

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.